Ratgeber Kochfelder

Kochen mit Induktion hat sich zur fortschrittlichsten Kochtechnik entwickelt. Seit Jahren schon wird diese Technik von Profi-Köchen genutzt. Zunehmend findet Induktion auch in privaten Haushalten Interesse. Die Mehrpreise gegenüber "normalen" Glaskeramik-Kochfeldern sind unter 250 Franken gerutscht. Anders als beim traditionellen Prinzip der Wärmeübertragung durch Leitung und Strahlung erzeugt die Induktion die Wärme durch ein elektromagnetisches Feld direkt im Kochgeschirr. Voraussetzung dafür sind allerdings Töpfe aus magnetisierbarem Material wie Gusseisen oder magnetischer Edelstahl (Test mit Magnet: muss gut haften).
Lohnt sich die Mehrinvestition? Es kommt darauf an, wie viel gekocht wird und worauf man Wert legt!

Vorteile der Induktionskochfelder

  • Das Ankochen geht viel schneller (rund 30%)
  • Die Kochzone reagiert – ähnlich wie bei Gas – ohne Verzögerung auf Veränderung der Heizleistung. So kann fein und schnell reguliert werden
  • Stromeinsparung von rund 30 % gegenüber "normaler" Glaskeramik. Einsparung über 200 Franken im 4-Personenhaushalt während der Nutzungsdauer von 15 Jahren
  • Keine Verbrennungen auf dem Herd, die Platte bleibt (fast) kalt. Dies ist insbesondere in einem Haushalt mit Kleinkindern ein grosser Vorteil.
  • Meist diverse Programmiermöglichkeiten

Nachteile

  • Töpfe mit Eisenboden (-Einlage) erforderlich
  • Ältere Modelle haben einen hohen Standby-Stromverbrauch. Die Topten-Modelle haben nur geringe Standby-Verluste von maximal 1 Watt
  • Elektromagnetisches Feld des Induktionsgenerators (diese Industriefrequenz hat sich bisher als unproblematisch erwiesen, im Gegensatz etwa zu Mikrowellen, welche sorgfältig abgeschirmt werden müssen)
  • Etwas höherer Preis als konventionelle Glaskeramik, dies wird von vielen Anbietern durch Mitlieferung eines Gratis-Pfannensets wieder ausgeglichen.

Wie funktioniert das Induktionskochen?

Die Kochwärme wird nicht unter der Glaskeramik erzeugt (wo hohe Verluste nach unten entstehen), sondern direkt im Topfboden (Pfannenboden), wo die Wärme unmittelbar ins Kochgut übergeht. Die Glaskeramik-Unterlage erwärmt sich nur indirekt wegen des heissen Topfbodens. Die Wärmeerzeugung im Topfboden erfolgt durch induktive Energieübertragung: unter der Glaskeramik befindet sich eine elektrische Induktionsspule, von einem Langwellengenerator (ca. 35 kHz) gespeist. Dies ist sozusagen die Primärseite eines Transformators. Die Sekundärseite ist direkt der Topfboden, welcher magnetisch leitfähig sein muss, also aus Eisen (bzw. eine Eisenschicht enthalten muss). Damit bildet er eine so genannte Kurzschlusswindung, welche die elektrische Energie in Wärme umwandelt.
Gute Kochtöpfe aller Art werden schon seit vielen Jahren mit induktionsgeeigneten Böden hergestellt; die Eignung fürs Induktionskochen wird auch in den Prospekten vermerkt. Nicht geeignet sind Billig-Töpfe aus Aluminium und Chromstahl (Chromstahl ist nicht magnetisch wie Eisen). Auch die bekannten Espressokrüglein funktionieren nicht auf Induktionsherden. Als Alternative bieten sich hier Geräte mit integrierter Heizplatte an.

Energieeinsparung

Die Energieeinsparung beruht somit auf zwei Effekten: 
  • kleinere Wärmeverluste nach unten
  • kürzere Ankochdauer und daher auch kürzere Wirkungsdauer der übrigen Verluste.
Natürlich hat der Induktionsgenerator selbst auch gewisse Verluste, welche aber die Einsparungen nur wenig beeinträchtigen. Die Standby-Verluste der Induktions-Kochfelder liegen heute im gleichen Rahmen wie bei anderen Herden mit Timer und Backofensteuerung. Früher haben höhere Standby-Verluste von bis 8 Watt die Einsparung beim Kochen teilweise kompensiert.

Lohnt sich Induktion?

Im "typischen" 4-Personenhaushalt mit 2x täglich warm kochen konsumiert das Kochfeld rund 250 kWh im Jahr. Auf 15 Jahre Nutzungsdauer hochgerechnet ergibt das 3750 kWh welche Stromkosten von 750 Franken verursachen (bei 20 Rp./kWh). Mit Induktionskochfeldern können rund 30 % davon oder 225 Franken eingespart werden. Damit lassen sich die Mehrkosten der Anschaffung energetisch ungefähr amortisieren. Für den Kaufentscheid sind auch die Zeitersparnis von rund 30 % und der höhere Kochkomfort wichtig.

Wo und wie lässt sich Koch-Energie sparen?

Der Stromverbrauch eines typischen 4-Personenhaushaltes fürs Kochen und Backen beträgt etwa 450 kWh/Jahr, also etwas mehr als der Kühlschrank-Verbrauch. Dabei entfallen meist mehr als die Hälfte auf die Herdplatten, weniger als ein Viertel auf den Backofen und der Rest auf Spezialkochgeräte wie Kaffeemaschine, Wasserheizer oder Eierkocher. Diese Spezialgeräte sind übrigens immer effizienter als die Herdplatte (jeden Typs), ausser wenn das Gerät einen Standby-Verbrauch aufweist! (also eine dauernd "wachsame" Elektronik eingebaut hat, z.B. mit Schaltuhr).
Dass der Backofen im Vergleich zu Kochplatten ein Energieverschwender ist, wissen die wenigsten Alltagsköche. Schon das Aufheizen auf 250°C braucht auch bei einem modernen Backofen mehr Strom als das Aufkochen von 3 Liter Wasser! Etwas günstiger wird die Bilanz, wenn ganze Mahlzeiten im Heissluftofen auf mehreren Etagen zubereitet werden. Enorm verschwenderisch ist die Feinschmeckermethode des Überbackens von Gerichten, die vorher auf dem Herd gekocht wurden.

Die wichtigsten Spar-Koch-Tipps bei der Benutzung:

  • Deckel auf den Topf, Energie zurückdrehen bis nur noch wenig Dampf entweicht
  • Isolierpfannen einsetzen
  • Backofen zurückhaltend und womöglich mit Mehrfachnutzung (Heissluft: Etagen) einsetzen
  • Gute Planung erlaubt oft, eine Platte weniger aufheizen zu müssen
  • Spezialkochgeräte einsetzen, wo sinnvoll; dabei möglichst auf Stand-by Betrieb verzichten.
  • Tiefgekühltes möglichst nicht auf dem Herd oder in der Mikrowelle und schon gar nicht im Backofen auftauen. Wer die Gefrierkälte nochmals nutzen will, legt Aufzutauendes einen Tag zum voraus oben in den Kühlschrank (in Schale, tropft).

Infoplus

Publikationen

Organisationen

  • BFE Bundesamt für Energie / EnergieSchweiz, Bern
  • FEA Fachverband Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz, Zürich
  • KVS Küchen-Verband Schweiz, Zürich
  • S.A.F.E. Schweizerische Agentur für Energieeffizienz, Zürich
  • SENS Stiftung Entsorgung Schweiz, Zürich

Links

  • www.energybox.ch: interaktive Beratungsmaschine für Strom im Haushalt
  • www.faktor.ch: Magazin zu ausgewählten Themen wie Geräte, Licht, Gebäude, Wohnen, Minergie-P
  • www.topten.info: internationale Online-Suchhilfe für die besten Produkte

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07/2008 Nipkow/Bush/Berger-Wey