Ratgeber Klimageräte
Es ist zu heiss... Was tun
Auf keinen Fall sofort das billigste Klein-Klimagerät kaufen! Manche dieser Geräte sind trotz stolzer Kühlleistungsangaben fast unwirksam – wenn nämlich das Gerät einen zu grossen Teil der unvermeidlichen Abwärme im Raum selbst abgibt statt nach draussen. Einige Sofortmassnahmen ohne grossen Aufwand:
- Guter Sonnenschutz, konsequent bedient
Ein guter Sonnenschutz muss auf der Aussenseite des Glases angeordnet sein, sonst dringt zu viel Wärme in den Raum. Auch soll er hell oder gar verspiegelt sein, damit er sich nicht zu stark aufheizt und dann doch Wärme nach innen strahlt. Schliesslich soll der Sonnenschutz einstellbare Lamellen oder Schlitze haben, damit man so viel Licht durchlassen kann, dass die Beleuchtung nicht eingeschaltet werden muss (sie erzeugt viel Abwärme!). Für eine optimale Wirkung muss der Sonnenschutz betätigt werden, sobald die Strahlung vorhanden ist und nicht erst wenn es heiss wird! Also z.B. früh morgens bei Ostfenstern; am besten sind fassadenweise programmierbare Antriebe. Natürlich muss gesichert werden, dass kein Schaden durch Sturmböen entstehen kann (Wind-Wächter).
- Ursachenbekämpfung im Raum nicht vergessen!
Die Hitze kommt nicht nur von aussen, sondern auch von den Geräten in den Räumen. Also alles abschalten, was gerade nicht gebraucht wird: Kopierer, Drucker, Kaffeemaschine, unnötige Beleuchtung, Monitor, etc. Und wenn eine Anschaffung, ein Austausch bevorsteht: es gibt sparsame Bürogeräte und Beleuchtungen, die natürlich entsprechend weniger Abwärme produzieren. Zu finden auf www.topten.ch.
- Nachts oder früh morgens intensiv lüften
In Hitzeperioden sinkt die Aussentemperatur erst gegen Morgen ab und ist vor Sonnenaufgang am tiefsten. Genau dann sollte intensiv gelüftet werden (Querlüftung oder Ventilator-Unterstützung). Natürlich ist um 4 Uhr niemand da, und es ist eine organisatorische Herausforderung, trotzdem für diese Lüftung zu sorgen! In Geschäftshäusern ist das u.U. mit einer programmierbaren Lüftung möglich; es gibt auch fernsteuerbare Fensteröffnungs-Antriebe. Wohnt ein Hauswart im Haus oder nahe, so ist er/sie vielleicht mit einem Bonus für frühe Klima-Aktivität zu motivieren. Bei der Fensterlüftung ist die Einbruchsicherheit zu beachten.
Frühzeitig vorsorgen!
Wenn es schon einige Tage zu Hause oder am Arbeitsplatz zu heiss ist, sind manche vorbeugenden Massnahmen nicht mehr anwendbar, oder sie waren zu wenig wirksam. Klimagerechtes Bauen auch zur Vermeidung der Überwärmung sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt – bei Glashäusern eine anspruchsvolle Aufgabe! Die ArchitektInnen sind gefordert; bei bestehenden Häusern sind Verbesserungen meist schwierig.
- Der kühlende Luftzug
Ein Gefühl von „kühler“ lässt sich durch Luftbewegung schaffen: Decken-, Raum-, Tischventilator lassen die empfundene Temperatur um einige Grad sinken, vor allem wenn man schon schwitzt (Verdunstungskälte) – man kann sich sogar verkühlen! Für einige Tage Ausnahmesituation pro Jahr sind solche Ventilatoren durchaus nützlich, relativ billig und energiesparend (20 bis 50 Mal kleinere Leistungsaufnahme als Klein-Klimagerät).
Die einfachste Lösung ist ein Tischventilator, allenfalls mit Schwenkmechanik. Es sollte nicht mehr als ca. 30 Watt aufnehmen (Datenblatt, Typenschild) und muss leise sein (leider im Laden kaum realistisch zu beurteilen). Grosse langsamlaufende Flügel machen weniger Lärm. Viele Produkte haben eine Stufenschaltung zur Leistungsanpassung. Solche Ventilatoren gibt es auch mit Ständer, um sie auf den Boden zu stellen.
Bei genügend Raumhöhe (über 2.5 m) eignen sich auch grosse, langsamlaufende Deckenventilatoren. Sie kosten mehr als Tischgeräte, jedenfalls mit der fast unerlässlichen Drehzahlsteuerung. Da man sie kaum schnell demontieren kann, darf einen der ganzjährige Anblick nicht stören.
Wenn's nicht ohne Klimagerät geht...
Der tatsächliche Nutzen von Klein-Klimageräten ist sehr unterschiedlich und lässt sich nicht einmal anhand der technischen Daten einwandfrei beurteilen. Bei den einfachsten (also billigsten) Geräten können die Nebeneffekte (Abwärme, Lärm) den Nutzeffekt drastisch vermindern. Die EU-Energie-Etikette für Klein-Klimageräte gilt seit 1.7.2006 auch in der Schweiz. Kaufen Sie nur Geräte der Topten-Listen und achten Sie auf den EER-Wert (Energieeffizienzgrösse: Verhältnis von Kälteleistung zu Stromaufnahme). Für die Kühlung mehrerer Räume sind Multi-Split-Geräte oft wirtschaftlicher als mehrere Splitgeräte, da es nur 1 Aussengerät braucht. Allerdings sind die EER-Werte noch deutlich schlechter als jene der besten Mono-Split-Geräte.
Achtung: die Effizienz der besten Kompakt-/Schlauchgeräte (A-Klasse, EER über 2.6) ist schlechter als bei Split-Geräten der D-Klasse! (siehe "Die wichtigsten Kategorien der kleinen Raumklimageräte") Topten hat deshalb einen strengeren Zulassungs-Grenzwert gesetzt.
Klimageräte mit Wasserkühlung sind nochmals effizienter, bedingen aber eine aufwändige Installation und Verfügbarkeit von Kühlwasser. Viele Split-Klein-Klimageräte können auf Heizen umgestellt werden und sind dann – dank Wärmepumpe – etwa 3 Mal effizienter als ein Elektroöfeli.
Richtige Nutzung
- Sonnenschutz und Vermeiden unnötiger Abwärme beachten, Fenster schliessen
- Nur Räume kühlen, die auch genutzt werden
- Höchstens 1 - 2 Stunden vorkühlen
- Gerät so im Raum platzieren, dass die Luft ungehindert zirkulieren kann
Die wichtigsten Kategorien der kleinen Raumklimageräte
1. Kompaktgeräte Einleitungs- oder Ein-Schlauch-System
| Kostengünstig. Schlauch-Adapter für Fenster-/Türspalt oder Bohrungen. Die warme Fortluft wird durch den Schlauch ins Freie geblasen. Es wird Ersatzluft von draussen (neben dem Schlauch) angesaugt, die meist wärmer ist als der Raum und sich im Raum verteilt. Dadurch und weil viel Abwärme im Raum bleibt, ist die Effizienz klein. |
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2. Kompaktgeräte Zweileitungs-System
| Etwas teurer als Ein-Schlauch-Geräte; eine Möglichkeit, wenn kein Splitgerät in Frage kommt (Vorschriften). Die erforderliche Geräte-Kühlluft wird durch ein Rohr bzw. Schlauch von draussen angesaugt, warme Fortluft durch das 2. Rohr bzw. Schlauch ins Freie geblasen. Dadurch ist die Effizienz etwas besser als bei Ein-Schlauch-Geräten |
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3. Split-Systeme
Teurer als kompakte Schlauch-Geräte. Flexible Verbindungsleitung, ca. 30 mm Ø, allfälliger Trennungs-Stecker ca. 60 mm Ø.
Bei „Mobil-Split“-Geräten ist der Kompressor im mobilen Innengerät, der Wärme abführende Kondensator samt Ventilator im relativ leichten Aussengerät. Kompressorabwärme und -Geräusch bleiben deshalb innen. Die Effizienz ist deutlich besser als bei Schlauch-Geräten; aber nicht so gut wie bei Split-Geräten mit Kompressor im Aussenteil.
Bei den deutlich teureren Split-Geräten für feste Installation ist der Kondensationsteil samt Kompressor ausserhalb des Raums, womit keine Abwärme davon in den Raum gelangt. Dies ist optimal bezüglich Effizienz und Geräusch. Das Innenraum-Teil ist schlank und kann z.B. an der Decke montiert werden. Die Verbindungsleitung soll möglichst nicht trennbar sein, damit kein Kältemittel verloren gehen kann.
Für die Kühlung mehrerer Räume sind Multi-Split-Systeme zu empfehlen, da ein Aussengerät mehrere Innengeräte versorgen kann.
Gute Split-Geräte sind z.T. in einer teureren Version mit Drehzahlsteuerung (Inverter) erhältlich. Dies erlaubt einen besonders effizienten und geräuscharmen Teillastbetrieb. |
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4. Kompaktgeräte für Fenster-/Mauereinbau
| Die Geräte werden so in ein Fenster bzw. eine Maueröffnung eingebaut, dass der kühlende Teil innerhalb, der Wärme abführende Teil ausserhalb des Raumes liegt. Dies erfordert gewisse bauliche Massnahmen zur Anpassung am Fenster und bedeutet im Winter tendenziell eine Wärmebrücke. Die Effizienz ist wegen der extrem gedrängten Bauweise weniger gut als bei Split-Geräten, das Geräusch oft lauter. In der Schweiz kaum mehr angeboten. |
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Für die Montage von Aussengeräten an Fassaden braucht es in der Regel eine Baubewilligung.
Wie funktioniert ein Klimagerät
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| Mobil-Split Gerät |
Split-Gerät fest installiert |
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| Einleitung-Kompaktgerät |
Zweileitungs-Kompaktgerät |
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Im Klimagerät befindet sich ein Kompressor (wie beim Kühlschrank), ein Kühlregister mit Ventilator und ein Abwärme-/Heizregister, ebenfalls mit Ventilator. Je nach Gerätekategorie sind diese Komponenten auf 2 Teilgeräte aufgeteilt.
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Infoplus
Publikationen
- Mit kühlem Kopf Alternativen prüfen. Gute Klimageräte haben ihren Preis. Auf www.topten.ch sind die besten Produkte zu finden. Doch ein kühlendes Lüftchen gibts auch günstiger. electrorevue 14/2010.
- Effiziente Klimageräte. Was tun, wenn‘s im Büro oder daheim zu heiss wird? S.A.F.E. 2007.
- Empfehlung nachhaltiges Bauen 2008/2, Bauen, wenn das Klima wärmer wird, Faltblatt 8 Seiten, KBOB/BBL/AWEL/UGZ, 2008.
- Bauen, wenn das Klima wärmer wird. Bericht über Forschungsergebnisse inkl. Empfehlungen zu Klimageräten, 96 Seiten, Fr. 50.--, Faktor Verlag 2008
Normen und Labels
Organisationen
- BFE Bundesamt für Energie / EnergieSchweiz, Bern
- ProKlima Schweizer Plattform für Hersteller und Lieferanten von Klimageräten und -systemen
- S.A.F.E. Schweizerische Agentur für Energieeffizienz, Zürich
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06/2010 Nipkow/Berger-Wey
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