Ratgeber Holzöfen

Cheminées, Cheminéeöfen, Kachelöfen sind gemütlich und in der Übergangszeit praktisch zum Temperieren eines Raumes. Niedrigenergiehäuser (z.B. ein Minergiehaus) können sie bei günstigen Voraussetzungen vollständig beheizen. Wer mehr erwartet als einige gemütliche Abende, muss sich Rechenschaft ablegen über den Holzverbrauch, Lagermöglichkeiten und Arbeitsaufwand zum Feuern. Beispiel: an 30 Tagen zweimal und an weiteren 60 Tagen einmal je 5 kg Holz verfeuern heisst 600 kg Holz "verarbeiten", also 1 ½ bis 2 Ster (Raum-Meter). Bei Laubholz-Scheitern – auf 33 cm gesägt – gibt das eine Beige von etwa 3 m Länge und 1,5 bis 2 m Höhe. Das Holz muss trocken gelagert und meist drei- bis viermal in die Hand genommen werden: Abladen und aufbeigen, ins Haus tragen, in den Ofen legen. Selbstverständlich dürfen keine Abfälle oder verschmutztes Holz (Farbe, Holzschutzmittel etc.) mit verfeuert werden. Eine bedienungsfreundliche und feuerungstechnisch sehr gute Alternative sind Pellets-Feuerungen. Pellets lassen sich wie eine Flüssigkeit in Behälter füllen und automatisch verfeuern (vgl. Ratgeber Pelletfeuerungen).

Mit Holz heizen kommt heute eher günstiger als mit Heizöl oder Gas. Zudem entlässt eine Holzfeuerung kein zusätzliches CO2 (Treibhausgas) in die Atmosphäre, weil das CO2 beim Wachsen der Bäume aus der Luft entnommen wurde. Beim sorgfältigen Feuern der zertifizierten Öfen entsteht kaum Luftverschmutzung.

Checkliste

Möchten Sie in erster Linie gemütlich vor dem Feuer sitzen, aber doch die Holzenergie nutzen? Das bietet Ihnen ein Cheminéeofen bzw. Cheminéeeinsatz, also eine Feuerstelle mit grosser Glasscheibe. Cheminées ohne Scheibe erfüllen die Gütesiegel-Anforderungen nicht und sind in der Liste deshalb nicht enthalten. Bei Cheminées, welche auch mit geöffneter Scheibe befeuert werden können, gilt das Qualitätssiegel nur für den geschlossenen Betrieb.

Cheminéeöfen können in einem Raum meist ohne bauliche Massnahmen aufgestellt und an einen vorhandenen Kamin angeschlossen werden. Sie sind der Feuerpolizei anzumelden. Wenn Boden oder Wand brennbar sind, verlangt die Feuerpolizei Unterlagen bzw. Abschirmungen.

Wenn Sie eine vollwertige Holzheizung (ohne Wasserkreislauf) für ein Niedrigenergiehaus planen, sind gut wärmespeichernde, also schwere Öfen oder auch automatische Pelletfeuerungen vorteilhaft. In den entsprechenden Listen sind zertifizierte Öfen, Ofeneinsätze und Pelletfeuerungen aufgeführt. Meist wird ein Ofenbauer das Projekt ausführen. Einige Cheminéeöfen und Heizeinsätze sind auch mit Zentralheizungs-Wärmetauscher lieferbar, was entsprechende Installationen voraussetzt.

Tech-Wegweiser

Soll ein Zimmerofen eine angenehme konstante Wärme abgeben, so muss er viel Speichermasse – möglichst einige Hundert Kilo! – aufheizen können. Eine Feuerleistung von über 5 Kilowatt (kW, vgl. Auswahlkriterien) wirkt nämlich ohne Speicherwirkung keineswegs angenehm: schnell wird's (viel zu) heiss, schnell wieder kalt! Das Gewicht ist also durchaus ein Qualitätsmerkmal und deshalb in den Listen aufgeführt. Um wirksam speichern zu können, muss die Speichermasse auch tatsächlich vom Feuer erwärmt werden; d.h. grosse Flächen der gewichtigen Bauteile müssen von den Feuergasen bestrichen werden. Ofenverkleidungen aus Stein sind oft kaum speicherwirksam, weil nicht in die Abgaszüge integriert. Leider lässt sich die Speicher-Wirksamkeit nicht ohne eingehende Untersuchung der Konstruktion beurteilen. Lassen Sie sich vor dem Kauf die Speicherwirksamkeit erklären! Bei Heizeinsätzen ist die Speichermasse hauptsächlich im darumgebauten Ofen enthalten.

Wärmeabgabeleistung eines Speicherofens (Quelle: Tonwerk Lausen)


Heizcheminée-Einsätze werden oft mit verschiedenen Wärmeabgabesystemen angeboten:

  • Reine Strahlungsheizgeräte und Geräte mit Schwerkraft-Luftwärmetauscher (ohne Ventilator) benötigen keinen Stromanschluss, die Wärme wird im Nahbereich abgegeben.
  • Warmluftgeräte mit Ventilator (Geräusch hörbar, Stromanschluss erforderlich) erlauben eine raschere Wärmeabgabe mit etwas ausgedehnterer Verteilung durch die Luftumwälzung; sie weisen meist wenig Speicherwirkung auf.
  • Reine Speicherheizgeräte (kein Stromanschluss) geben die Wärme langsam und bis mehrere Stunden nach "Ende Feuer" ab.

Cheminées ohne oder mit offener Glasscheibe weisen eine schlechte Verbrennung auf, weil das Feuer zu stark abgekühlt wird. Ausserdem kann per Saldo kaum Wärme abgegeben werden, weil durch den offenen Kamin sehr viel zuvor erwärmte Raumluft entweicht und dieser Verlust die erzeugte Strahlungswärme übertrifft.

Kaminklappen sind nicht dicht und dürfen dies auch nicht sein, da im schlimmsten Fall eine Kohlenmonoxidvergiftung droht. Trotzdem hilft das Schliessen der Klappe nach "Ende der Glut", dass nicht allzuviel Wärme entweicht. Für Niedrigenergiehäuser bedeutet eine Kaminklappe jedoch ein merkliches Wärmeleck, wenn nicht der Ofen dicht gebaut und verschlossen ist.

Anfeuern

Angesichts der Feinstaub-Problematik wurde eine neue Anfeuermethode entwickelt und erfolgreich getestet; die beim Anfeuern von handbeschickten Stückholzfeuerungen einen deutlich verminderten Schadstoffausstoss bewirkt. Statt das Holz wie bisher unten anzuzünden, wird die Ofen-Beladung von oben in Brand gesetzt. Dazu wird ein so genanntes Anfeuermodul mit einer Zündhilfe, z.B. wachsgetränkte Holzwolleröllchen, zusammengestellt und oben auf dem Holzstoss platziert (Bild). Neues Holz soll erst wenn es keine Flammen mehr hat auf die starke Glut nachgelegt werden. Wenn nicht nachgelegt wird, Luftklappe am Ofen etwas drosseln. Erst wenn keine Glut mehr sichtbar ist, Ofen- und auch Kaminklappe ganz schliessen. Beim bisher üblichen unteren Anfeuern befindet sich während längerer Zeit viel kaltes Holz in den Flammen und stösst dabei Rauch (also auch Feinstaub) und entsprechend Schadstoffe aus. Neu frisst sich die Flamme von oben langsam nach unten, womit die unvollständige Verbrennung des ganzen Holzstosses stark vermindert wird. Der Abbrand dauert damit etwas länger als früher, die Leistung ist gleichmässiger.

Brennstoff, Asche

  • Es darf nur naturbelassenes trockenes Holz verfeuert werden. Abfälle (auch Holzabfälle, behandeltes Holz), viel Papier oder gar Karton zu verbrennen ist verboten und kann auch den Kamin schädigen, von den Lungen in der Nachbarschaft zu schweigen!
  • Holzasche (von sauberem Holz!) kann im Garten als Dünger verwendet werden. Fein verteilen oder dem Kompost beimischen. Pro 100 m² Gartenfläche darf jährlich nicht mehr Asche als von 5 Ster Brennholz eingesetzt werden; Überschüsse sind dem Kehricht mitzugeben.

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Publikationen

Normen und Labels

Organisationen

  • AWEL Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft, Zürich
  • BFE Bundesamt für Energie / EnergieSchweiz, Bern
  • Holzenergie Schweiz, Zürich
  • S.A.F.E. Schweizerische Agentur für Energieeffizienz, Zürich
  • SES Schweizerische Energie-Stiftung, Zürich

Links

  • www.infoenergie.ch: die Energieseite der Kantone - Infomaterial, Beratung, Auskünfte über Förderprogramme
  • www.topten.eu: internationale Online-Suchhilfe für die besten Produkte

Info für Hersteller und Anbieter

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01/2010 Nipkow

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