Produktratgeber Wärmepumpen

Lesen Sie in diesem Produktratgeber alles zu energieeffizienten und ökologischen Wärmepumpen. Von technischen Erklärungen, Tipps vor dem Kauf und über die optimale Nutzung.

von Nicolas Brandenberger

Produktratgeber Wärmepumpen

In der Schweiz waren im Jahr 2024 fast 480'000 Elektro-Wärmepumpen in Betrieb, das sind 23% aller Heizungen. Sie verbrauchen etwa 5% des Schweizer Stroms, rund 2'700 GWh.

Kauftipps

Die besten Luft-Wasser-Wärmepumpen bei Topten

Die besten Luft-Wasser-Wärmepumpen bei Topten

Luft-Wasser Wärmepumpen nutzen die Umgebungsluft als Wärmequelle.

Die besten Sole-Wasser-Wärmepumpen bei Topten

Die besten Sole-Wasser-Wärmepumpen bei Topten

Sole-Wasser Wärmepumpen nutzen das Erdreich als Wärmequelle.

Die besten Wasser-Wasser-Wärmepumpen bei Topten

Die besten Wasser-Wasser-Wärmepumpen bei Topten

Wasser-Wasser Wärmepumpen nutzen das Grundwasser als Wärmequelle.

Vorabklärungen

Je höher die Temperatur der Wärmequelle, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Wegen des Grundwasserschutzes sind Erdwärmesonden jedoch nicht überall erlaubt. Erste Informationen, ob bei Ihnen eine Wärmepumpe mit Erdwärmesonden infrage kommt, können auf den GIS-Karten der Kantone eingesehen werden.

Fördermöglichkeiten können unter Energiefranken geprüft werden.

Beim Neubau muss sie der Architekt berechnen (lassen) und sie ist den Unterlagen für die Baueingabe zu entnehmen. Bei bestehenden Bauten kann sie aus dem Energieverbrauch in der Vergangenheit abgeschätzt werden (1’000 Liter Öl haben einen Heizwert von etwa 10'000 kWh). Die richtige Heizleistung ist entscheidend für die Wahl der richtigen Wärmepumpe. Zu klein bedeutet frieren oder die Anschaffung einer teuren Zusatzheizung. Eine überdimensionierte Wärmepumpe führt dagegen zu höheren Anschaffungskosten und einem höheren Verbrauch bzw. ungenügender Effizienz.

Die Warmwasseraufbereitung für das Brauchwarmwasser sollte in die Wärmepumpe integriert werden, dies muss bei der Berechnung der Heizleistung berücksichtigt werden.

Sole/Wasser und Wasser/Wasser Wärmepumpen werden innerhalb von Gebäuden installiert, der Platz muss zur Verfügung gestellt werden. Innen installierte Wärmepumpen sind lärmmässig unproblematisch, eine Lärmbeurteilung ist somit nicht nötig.

Planung, Ausführung und Betrieb

  • Offerten durch eine Fachperson einholen lassen, mit den jeweils gleichen Anforderungen, damit sie vergleichbar sind. Offerten durch Fachperson beurteilen lassen, insbesondere auch die Dimensionierung der Heizleistung.

  • Zusammenstellen der für das Einholen von Offerten wichtigsten Anforderungen: Wärmequelle, Wärmeabgabesystem, Wärmeleistungsbedarf, Integration Brauchwarmwasser, örtliche Kriterien berücksichtigen (z.B. Anforderungen der Stadt Zürich)

  • Messinstrumente zur Erfolgskontrolle verlangen: separater Stromzähler (ca. 500 Fr.), idealerweise auch Wärmezähler (ca. 1'000 Fr.).

  • Leistungsgarantie für die JAZ (Jahresarbeitszahl) vom Installateur verlangen.

  • Bau der Anlage, Einregulierung (hydraulischer Abgleich), Einstellungen (auch Warmwasser) und die Abnahme durch Fachperson überwachen lassen. Ein Abnahmeprotokoll mit Mängelliste erstellen und unterzeichnen lassen.

  • Betriebsoptimierung vornehmen: Auch wenn der Installateur eine Heizkurve bei der Installation einstellt, ist es notwendig diese im ersten Winter zu korrigieren, um einen optimalen Betrieb zu erreichen. Lassen Sie sich die Einstellung der Heizgradkurve bei der Abnahme vom Installateur erklären. Eine Anleitung zur Anpassung der Heizgradkurve ist hier zu finden. Das Ziel der Einstellung ist es, den optimalen Punkt zwischen Raumkomfort und maximaler Effizienz zu finden. Studien zeigen, dass mehr als 40% der Wärmepumpen in der Schweiz im Betrieb eine zu hoch eingestellte Heizgradkurve aufweisen.

Tech-Wegweiser

Funktionsprinzip

Eine Wärmepumpe nutzt Umgebungswärme aus der Luft, Erdreich oder Grundwasser, um ein Gebäude zu heizen oder Warmwasser bereitzustellen. Vereinfacht gesagt wird Energie aus der Umgebung aufgenommen und im Haus wieder abgegeben. Durch die Nutzung der Umgebungswärme sind Wärmepumpen effizienter als andere Heizsysteme. Mit einer kWh Strom erzeugt die Wärmepumpe 3–5 kWh Wärme (Coefficient of Performance COP). Die Leistungszahl ist das wichtigste energetische Qualitätsmerkmal einer Wärmepumpe. Für die jährlichen Stromkosten ist allerdings die Planungs- und Ausführungs-Qualität der Gesamtanlage wichtig. Wärmepumpen arbeiten umso besser, je kleiner die zu überwindende Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Heiztemperatur ist. Deshalb gilt die Vorlauftemperatur so gering und die Quellentemperatur so hoch wie möglich zu wählen.

Wärmequellen

Je wärmer die Wärmequelle, desto besser für die Wärmepumpe. In der Schweiz werden hauptsächlich Erdwärme, Grundwasser / Seewasser und Umgebungsluft als Wärmequellen verwendet. Welche Wärmequelle verwendet werden kann, ist standortabhängig. Die nötige Auskunft ist bei der Bauabteilung der jeweiligen Gemeinde einzuholen.

Unterschied von COP und JAZ

Der COP ist der sogenannte «Coefficient of Performance» oder die «Leistungszahl» und ist ein Mass für die Effizienz der Wärmepumpe. Er gibt das Verhältnis zwischen Heizleistung und aufgenommener elektrischer Leistung der Wärmepumpe bei einem bestimmten Betriebspunkt an. Ein COP von beispielsweise 5 bei B0/W35 bedeutet, dass bei einer Sole-Temperatur von 0°C (B0) und einer Nutztemperatur von 35°C (W35, Heizung oder Warmwasser) das 5-fache der eingesetzten elektrischen Leistung als nutzbare Wärmeleistung zur Verfügung steht. Durch den festgelegten Betriebspunkt lassen sich verschiedene Wärmepumpen miteinander vergleichen. Die Leistungszahlen von Wärmepumpen werden in Testzentren, wie beispielsweise am Wärmepumpen-Testzentrum WPZ in Buchs SG gemessen. Im Betrieb hat der COP jedoch nur eine begrenzte Aussagekraft, denn im praktischen Einsatz arbeiten Wärmepumpen über das ganze Jahr gesehen nur selten im angegebenen Betriebspunkt (z.B. B0/W35), sondern durchlaufen unterschiedlichste Betriebspunkte. Ausserdem ist im Betrieb nicht die alleinige Effizienz der Wärmepumpe, sondern die Effizienz des Gesamtsystems entscheidend.

Die JAZ ist die sogenannte «Jahresarbeitszahl». Im Unterschied zum COP ist sie ein Mass für die Energieeffizienz des Gesamtsystems über ein Jahr Betrieb. Sie gibt das Verhältnis zwischen produzierter Heizenergie und aufgenommener elektrischer Energie über ein ganzes Jahr an, inklusive aller Pumpen und Steuerungen.

Wärmepumpen mit Drehzahlregelung

Sie erreichen eine bessere Anpassung der Wärmeleistung an den effektiven Bedarf, haben weniger Ein-/Ausschalt-Zyklen und eine bessere Ausnützung der Wärmetauscher. Daraus resultiert eine höhere JAZ bei gleichem COP. Ein höherer Preis für die Drehzahlregelung lohnt sich in der Regel. Diese Wärmepumpen werden auch als «modulierende» oder «Inverter-Wärmepumpen» bezeichnet.

Geräusch

Innen: Ist die Wärmepumpe innen aufgestellt (z.B. in einem Raum im Untergeschoss), ist ein «Schallleistungspegel innen» von 50 bis 60 dB(A) gemessen nach EN 12102 in der Regel problemlos. Die Geräuschbelastung für innen als auch für aussen ist auf der Energieetikette zu finden.

Aussen: Aussen aufgestellte Luft-Wärmepumpen können in Wohngebieten, insbesondere im städtischen Umfeld, bei einem «Schallleistungspegel aussen» von 50 und mehr dB(A) zu (Nachbarschafts-)Problemen führen. Die Aufstellung der Geräte sowie evtl. Abschirmungsmassnahmen müssen geplant werden. Die Stadt Zürich hat Kriterien für stadtverträgliche Luft-Wasser-Wärmepumpen ausgearbeitet, die insbesondere auch den Schall miteinbeziehen.

Kältemittel

Im Kreislauf der Wärmepumpe zirkuliert Kältemittel. Künstliche Kältemittel wie R134A, R407C, R404A, R410A wirken sich im Falle einer Leckage negativ auf das Klima aus. Sie sind starke Treibhausgase, deren Erderwärmungspotenzial hundert- bis zweitausendmal höher ist als das von Kohlendioxid. Natürliche Kältemittel, wie zum Beispiel Propan (R290) und Kohlendioxid (CO2), haben einen deutlich geringeren Treibhausgaseffekt.

Kältemittelverbote in der Schweiz

Ab 2027 dürfen neue Wärmepumpen für Ein- und Zweifamilienhäuser in der Schweiz nur noch natürliche Kältemittel verwenden. Bis 2032 dürfen synthetische Kältemittel in neuen Wärmepumpen bis 50 kW verwendet werden, solange sie einen GWP (Global Warming Potential) von weniger als 150 haben. Bereits installierte oder bis zum Verbot gekaufte Wärmepumpen dürfen ohne Einschränkung weiterbetrieben werden.

Zertifikate und Gütesiegel

In der Schweiz werden von der «Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz» (FWS) folgende vier Auszeichnungen im Bereich Wärmepumpen vergeben:

Wärmepumpen-System-Modul

Das Wärmepumpen-System-Modul ist ein Schweizer Standard für die Planung und den Bau von Wärmepumpenanlagen bis 15 kW Heizleistung. WP-System-Module können sowohl im Neubau als auch in der Sanierung eingesetzt werden.

Die Zertifizierung garantiert:

  • verbindlich geregelte und standardisierte Abläufe von der Planung bis zur Inbetriebnahme der Wärmepumpenanlage

  • die umfassende Dokumentation über die Planung und die Installation der Anlage

  • dass alle System-Komponenten aufeinander abgestimmt sind

  • standardisiertes Verfahren für die Inbetriebnahme der Wärmepumpenanlage

  • schriftliche Leistungsgarantie durch den Installateur

Das WP-System-Modul ist so aufgebaut, dass weniger Schnittstellenfragen in der Planungs- und Installationsphase auftreten. Dank der fachlich korrekten und umfassenden Inbetriebnahme und der nachfolgenden Betriebskontrolle erhält der Kunde eine Anlage, die den Ansprüchen nach optimaler Energieeffizienz und Betriebssicherheit gerecht wird. Der Hausbesitzer erhält ein Zertifikat für seine Wärmepumpenanlage. Die Zertifizierung erfolgt durch eine unabhängige Fachkommission der FWS, welche die Unterlagen prüft und die Anlage zertifiziert.

Grundsätzlich kann jede Heizungs-Installationsfirma mit ausgebildeten Heizungs-Fachleuten Wärmepumpen-System-Module planen und installieren. Als «qualifizierte Installateure» gelten Unternehmen, in denen mindestens eine Person eine entsprechende Weiterbildung besucht hat und die sich schriftlich verpflichten, alle das WP-System-Modul betreffenden Vorschriften einzuhalten, insbesondere das Pflichtenheft, das Reglement und die Vorgaben der Hersteller / Lieferanten. Eine Übersicht über qualifizierte Installateure finden Sie hier.

Fachpartner mit Zertifikat

Mit der Bezeichnung «Fachpartner mit Zertifikat» werden Wärmepumpenfachleute (Heizungsplaner und -installateure) ausgezeichnet, welche eine zweistufige Weiterbildung der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS) und die anschliessende Fachprüfung erfolgreich absolviert haben. Sie erkennen Einsatzmöglichkeiten für Wärmepumpenanlagen in Kleinobjekten (Neubau / Sanierung), können die notwendigen Daten vor Ort erfassen sowie eine Anlage korrekt planen, installieren und in Betrieb nehmen. Adressen finden Sie hier.

Wärmepumpen-Gütesiegel

Mit dem «Wärmepumpen-Gütesiegel» werden Wärmepumpen bzw. eine Wärmepumpenreihe ausgezeichnet, welche die Anforderungen des internationalen Gütesiegels für elektrisch angetriebene Heiz-Wärmepumpen erfüllen. Parameter sind: COP, Schall, Planungsunterlagen, Einbau- und Betriebsanleitung, Garantie auf die Wärmepumpe und ein schnell reagierender Kundendienst.

Die Anforderungen an den COP – die wichtigste Grösse bezüglich Effizienz einer Wärmepumpe – sind allerdings schwach und werden von fast allen Geräten erfüllt. Die Topten-Kriterien sind deshalb wesentlich strenger.

Gütesiegel für Erdwärmesonden-Bohrfirmen

Das Gütesiegel für Erdwärmesonden-Bohrfirmen garantiert eine Arbeit nach dem Stand der Technik. Die Gütesiegelträger haben sich verpflichtet, eine Reihe von Regeln beim Einsatz und bei der Auswahl von Materialien und Geräten sowie bei der Arbeitsausführung einzuhalten und ihre Mitarbeiter regelmässig in fachliche Weiterbildungskurse zu schicken. Adressen zu Bohrfirmen mit Gütesiegel hier.

Entsorgungstipps

Seit dem Jahr 2023 werden ausgediente Wärmepumpen gemäss einer neuen Regelung entsorgt. Die Stiftung SENS eRecycling hat dafür gemeinsam mit GebäudeKlima Schweiz und Wärmepumpen Schweiz eine umfassende Branchenlösung entwickelt. Die Lösung umfasst die Sammlung, den Transport und die Verwertung von Wärmepumpen. Finanziert wird sie durch den sogenannten vorgezogenen Recyclingbeitrag. Somit ist die Entsorgung beim Neukauf der Wärmepumpe bereits bezahlt und es fallen keine Entsorgungskosten beim Produktlebenszyklusende an. Besonders kritisch bei der Entsorgung sind die Kältemittel. Vor allem ältere Wärmepumpen enthalten teilweise extrem klimaschädliche Kältemittel, die unter keinen Umständen in die Umwelt gelangen dürfen.

Weiterführende Informationen

  • Liste mit den veröffentlichten Prüfergebnisse der am Wärmepumpen Testzentrum gestesten Wärmepumpen.

  • Wärmepumpen – häufig gestellte Fragen. Antworten für Laien und Interessierte über Wärmepumpen und deren Anwendungen. Bundesamt für Energie BFE

  • Weitere Fachpublikationen, Informations-Broschüren, Leistungsgarantien, Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit, Technik, Merkblätter, Checklisten und Offert-Formulare befinden sich auf der FWS-Homepage.

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